Warum deine Beziehungsprobleme vielleicht ein ungelöstes Trauma sind (Und wie du sie heilst)

Hast du dich schon mal dabei ertappt, wie du mitten in einem Beziehungsstreit stehst und dich wie ferngesteuert fühlst? Du hörst dich Dinge sagen, die du eigentlich gar nicht sagen willst. Oder du ziehst dich plötzlich eiskalt zurück, obwohl du dich eigentlich danach sehnst, umarmt und verstanden zu werden.

Hinterher sitzt du vielleicht da und versinkst in Selbstzweifeln und Selbstkritik: „Was ist nur falsch mit mir? Warum kriege ich das einfach nicht hin? Wieso mache ich das immer wieder?“

Inhaltsverzeichnis


Ich möchte dir heute eines vorweg sagen: Es ist nichts falsch mit dir. Wahrscheinlich reagiert dein Körper im Rahmen deiner gemachten Erfahrungen sehr sinnvoll. Nur leider eben nicht adäquat auf die Gegenwart, sondern auf belastende und mitunter traumatische Erfahrungen aus der Vergangenheit. 

Die Neurobiologie hinter unseren Beziehungsmustern

Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist unser Verhalten meist eine automatisierte Reaktion auf die Vergangenheit, weil das Gehirn evolutionär darauf optimiert ist, Energie zu sparen und das Überleben durch Vorhersehbarkeit zu sichern. 

Diese grundlegenden Funktionen unseres Gehirns kommen uns in Beziehungsdynamiken oftmals in die Quere. Das, was heute meistens unsere Beziehungen steuert, ist in Wahrheit unsere Beziehungsprogrammierung. 

Darunter verstehe ich, dass sich all unsere gemachten (negativen) Bindungs- und Beziehungserfahrungen in unserer Gehirnstruktur in Form von neuronalen Netzwerken manifestiert haben. 

Nimmt unser Nervensystem durch Neurozeption vermeintliche Gefahr wahr (z.B. runzelt der Partner die Stirn), dann aktiviert sich ein neuronales Netzwerk im Gehirn mitsamt gespeicherten Gefühlen, Gedanken und Verhalten (aus der Vergangenheit). An diesem Punkt übernehmen dann sozusagen unsere Schutz- und Überlebensstrategien.

Schutzstrategien tragen wir alle in uns, doch wenn wir (Bindungs-) Trauma erlebt haben und damit konstante Unsicherheit und Überforderung, dann ist unser “Alarmsystem” (die Amygdala) sehr viel sensibler und empfindlicher, als bei anderen. 

Man kann sich das wie einen falsch eingestellten Feuermelder vorstellen, der überall Rauch in Form von Ablehnung, Unsicherheit und Gefahr wahrnimmt. Heute möchte ich mit dir tiefer in die Thematik von Trauma und seine unsichtbaren Auswirkungen auf die Liebe einsteigen. 

Denn, wenn du lernst dein Bindungstrauma mit samt der entstandenen Verwundung in deinem Leben zu erkennen und damit in Beziehung zu gehen, hat das die Kraft, deine Beziehungen radikal zu verändern.

Was ist Trauma überhaupt?

Wenn wir das Wort „Trauma“ hören, denken wir meistens an schwere Unfälle, Überfälle, Krieg oder Naturkatastrophen – sogenanntes Schocktrauma. Doch auf der anderen Seite gibt es noch das Bindungstrauma. 

Dieses Trauma betrifft die Eltern-Kind-Beziehung und entsteht, wenn ein Kind konstant Unsicherheit, Bedrohung, Gewalt, Grenzüberschreitung oder (emotionale) Vernachlässigung erlebt. Wenn die Eltern also nicht in der Lage sind, ihrem Kind feinfühlig zu begegnen, die Bedürfnisse zu erkennen und ihm eine sichere Beziehung und Umgebung zu bieten. 

Ein belastendes Ereignis wird erst dann zum Trauma, wenn wir eine starke und belastende Erfahrung in dem Moment nicht verarbeiten können, keine sichere Verbindung erleben und wir keine eigenen Bewältigungsmechanismen haben. 

Das ist im Kleinkindalter sehr häufig der Fall, weil das Gehirn noch nicht ausgereift ist und wir nicht in der Lage sind, uns selbst zu regulieren und Sicherheit zu geben. Wir sind auf das Außen und dessen Co-Regulation angewiesen. 

Erleben wir diese Co-Regulation konstant nicht, dann rutschen wir in Resignation und Erstarrung. Das Nervensystem beginnt sich zu schützen und wir entwickeln Schutzstrategien wie z.B. sich von den eigenen wahren Gefühlen und Bedürfnissen abzutrennen. 

Wir beginnen die Welt, Menschen und Beziehungen als unsicher und bedrohlich wahrzunehmen und entwickeln entsprechende negative Glaubenskonstrukte über uns und das Außen. 

Doch: Wir Menschen sind auch verdammt resilient. Nicht jede schreckliche Erfahrung wird zum Trauma. Aber wenn unser Nervensystem in der Dauer Aktivierung stecken bleibt, hinterlässt das Spuren. Und diese Spuren zeigen sich später meistens dort, wo wir am verletzlichsten sind: in unseren Beziehungen.

Das Bindungstrauma: Die zwei Pole der Beziehungsangst

Wenn wir also in jungen Jahren die Erfahrung gemacht haben, von unseren Bezugspersonen (emotional) alleine gelassen zu werden, beschämt zu werden oder keine Sicherheit zu erleben, lernt unser Nervensystem: Beziehung ist gefährlich.

Später im Leben führt das oft zu zwei extremen Polen, in denen sich viele Paare immer wieder verstricken:

  • Der überaktivierte Pol (Pol der Verschmelzung ➡️ das Klammern): Du hast das Gefühl, nie genug Liebe oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Du wirst bedürftig, passt dich extrem an oder klammerst, aus ständiger Angst, verlassen zu werden. Was du viel spürst, ist Trauer und Hilflosigkeit. Gesunde (Abgrenzungs) Wut hingegen spürst du kaum. 
  • Der unteraktivierte Pol (Pol der Autonomie ➡️ die Vermeidung): Sobald dir jemand emotional oder körperlich zu nahe kommt, fährt dein System runter. Du gehst auf Distanz, mauerst oder flüchtest in die Autonomie, um dich zu schützen. Generell hast du wenig Zugang zu deinen verletzlichen Gefühlen wie Trauer, Scham und Hilflosigkeit. Am meisten spürst du Wut und Gereiztheit. 

Vielleicht kennst du diese klassische Dynamik aus deiner Beziehung: Einer klammert/will reden/mehr Nähe/Rückversicherung, der andere flüchtet/mauert/fühlt sich unter Druck gesetzt. ➡️ Ein Teufelskreis, der beide einsam zurücklässt.

Aus meiner Erfahrung als Beziehungscoach zeigt sich oft: Wir tragen beide Anteile in uns. Verschiedene Schutzstrategien sind in unserer Innenwelt aktiv, so wünscht sich ein Anteil vielleicht viel Nähe, während ein anderer Angst davor hat und dicht macht. Das sorgt für tiefe innere Verwirrung.

Wie du den Teufelskreis durchbrichst: Der Weg zur Beziehungsheilung

Wie kommen wir da jetzt raus? Können wir das alleine im stillen Kämmerlein mit Journaling und Meditation lösen? Nein. Wir brauchen Beziehungen, um Beziehungsdynamiken zu heilen. Hier sind die drei wichtigsten Schritte, die du und dein Partner (oder du für dich selbst) ab heute gehen könnt:

1. Das Licht im dunklen Raum anmachen (Verständnis)

Der erste Schritt ist immer das Verstehen. Wenn wir die neurobiologischen Muster hinter unserem Verhalten begreifen, hört die gegenseitige Abwertung auf. Wir merken plötzlich: „Ah, du meinst das nicht böse, dein Nervensystem ist gerade einfach im Überlebensmodus.“ Es ist, als würde man in einem dunklen, chaotischen Raum das Licht anmachen. Das Chaos ist noch da, aber man sieht sich nicht mehr als Feinde.

2. Darüber sprechen – auch wenn es schwerfällt (Transparente Kommunikation)

Kommunikation ist der absolute Kern. Aber Achtung: Wir kommunizieren am meisten durch unsere Handlungen, nicht durch Worte. Wenn ich sage „Ich liebe dich“, aber dabei nur aufs Handy starre, sendet mein Körper eine widersprüchliche Botschaft. Wenn sich ein Partner weiterentwickelt und der andere (noch) nicht, ist es lebenswichtig, im Gespräch zu bleiben. Erkläre dich. Mach dich verständlich für dein Gegenüber, anstatt dich in die Einsamkeit zurückzuziehen.

3. Korrigierende Erfahrungen sammeln

Wir müssen lernen, dass die Vergangenheit nicht die Gegenwart ist. Ja, Menschen können uns verletzen. Aber sie haben auch die Macht, uns zu heilen. Wir brauchen Räume – sei es eine sichere Partnerschaft, tiefe Freundschaften oder heilende Kreise wie Retreats –, in denen wir die Erfahrung machen: Ich darf mit all meinen Facetten und Emotionen da sein, und ich werde trotzdem gehalten und geliebt.

Warum wir es oft nicht alleine schaffen und wir bindungsorientierte Beziehungsarbeit brauchen

Wenn wir in unserer Kindheit Vernachlässigung erlebt haben, entwickeln wir oft eine Strategie von Hyperselbstständigkeit. Wir lernen alleine zurechtzukommen, uns auf niemanden wirklich zu verlassen und nicht tief zu vertrauen. Wir haben Angst, uns verletzlich zu machen, weil wir dann schwach sein könnten. Und schließlich mussten wir ja schon früh stark sein.

Doch Heilung geschieht, wenn wir beginnen, uns verletzlich zu zeigen und Beziehung zu lassen. Beziehung ist der Ort, wo wir ursprünglich verletzt worden sind, und der Ort, wo wir heute heilsame korrigierende Beziehungserfahrungen erleben können.  

Wenn wir uns in die Hände einer erfahrenen Begleiterin begeben, dann wirkt dieser Beziehungsraum wie eine Gebärmutter, wo wir sicher sind, unsere wahren Gefühle und Bedürfnisse zu erforschen und Schmerz zu begegnen. 

Wir machen die Erfahrung, dass es sicher ist, gesehen zu werden und in Verbindung zu sein. Alles, was sich in dieser Begleiter-Klient-Beziehung zeigt, ist ein Spiegel für das, was sich im Leben abspielt. 

Um nachhaltige Veränderungen in unseren Beziehungsmustern zu erleben, reicht es nicht nur kognitiv zu verstehen, was das Problem ist. Wir müssen den Körper in diesen Veränderungsprozess mit einbeziehen. 

Integrative Bindungsarbeit

Aus diesem Grund habe ich meinen Ansatz der integrativen Bindungsarbeit entwickelt. Dabei kombinieren wir bindungsorientiertes Arbeiten, systemische Therapie und Körperarbeit, um die Wurzel der Beziehungsprobleme nachhaltig zu versorgen. Bei der Arbeit mit unseren Bindungsmustern und Beziehungsdynamiken geht es nämlich primär um Versorgung und nicht Veränderung. In unserer Begleitung sind wir davon überzeugt, dass die Veränderung sich einstellt, wenn wir lernen, uns liebevoll zu begegnen, anstatt weiter gegen uns zu kämpfen. 

Dabei folgen wir folgenden Schritten:

  1. Sicherheit herstellen durch Nervensystemregulation und bindungsorientierte Arbeit
  2. Versorgung verletzter Anteile
  3. Neue korrigierende Beziehungserfahrungen erleben in Beziehung
  4. Tägliche Selbstbeziehung praktizieren
  5. Mutig in die Umsetzung gehen

Willst du unseren nachhaltigen Ansatz, mit dem wir schon über 400 Klientinnen begleitet haben, erleben?

Vereinbare dir jetzt gleich ein kostenfreies Beziehungsexperten Gespräch. In diesem Gespräch schaust du gemeinsam mit meinem Team, was du in deiner Situation gebrauchen könntest und ob eine Zusammenarbeit mit uns sinnvoll ist.

Wenn du mehr über das Thema Trauma und Beziehungen erfahren möchtest, empfehle ich dir meine Podcastfolge mit Verena König.

Deine Juliane

Natürliche Portraitfotografie von Juliane Steffen am Flussufer.

Juliane Steffen ist Systemische Therapeutin, Embodiment-Expertin, Autorin und Mutter von zwei Kindern. Seit über zehn Jahren begleitet sie Menschen dabei, emotionale Verletzungen zu verstehen, ihr Nervensystem zu regulieren und erfüllende Beziehungen aufzubauen. Mit ihrer eigens entwickelten Integrativen Bindungsarbeit verbindet sie bindungsorientierte Psychologie, systemische Therapie und Körperarbeit. Ihre Herzensmission ist es, Menschen wieder mit sich selbst und anderen in echte Verbindung zu bringen.

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